Nachgefragt bei... Jule Witte - Designerin für KIKKERLAND

Eine zierliche Frau mit leuchtenden Augen öffnet im 4. Stock ihres Kreuzberger Büros die Tür. Ihr Name ist Jule Witte und sie ist Diplom-Produktdesignerin aus Leidenschaft. Einen Nachmittag lang durfte unsere Kathy sich in ihre Welt vertiefen und sie über ihre Zusammenarbeit mit der Lifestyle Marke Kikkerland und ihre Passion für Produkte ausfragen.

Jule Witte KIKKERLAND dfp design

Kathy: Hallo Jule! Danke für die Einladung. Erzähl uns doch mal, wie du denn zum Produktdesign gekommen bist – waren deine Eltern vielleicht schon in der Branche?

 

Jule: Mein Papa war Betriebswirt für Bibliotheken, also ging es da in eine ganz andere Richtung. Ich habe mich mit dem Thema erst nach dem Abi und einem Jahr reisen durch Mexiko auseinandergesetzt. Ich fand auch Architektur interessant, aber ich wollte in einem 1:1 Maßstab arbeiten, um so meine Ideen selber umsetzen zu können, mindestens im Modell. Auch der Bezug zum täglichen Leben hat mir beim Produktdesign gefallen.

 

Kathy: Wo hast du denn studiert?

Jule: Ich habe an der Kunsthochschule in Saarbrücken studiert und während des Studiums diverse Praktika gemacht. Das Studium war sehr Möbel-lastig – zum eigentlichen Produktdesign im Sinne von Gebrauchsgegenständen habe ich erst später gefunden.

 

Kathy: Erinnerst du dich noch an das erste Produkt, das du während des Studiums entwickelt hast?

 

Jule: (Sie sucht in ein paar Schubladen, holt ein Portfolio hervor) Es war eine Sitzgelegenheit für den öffentlichen Raum.

 

Kathy: Was hast du für deine Diplomarbeit gestaltet?

 

Jule: Ich habe eine farblich wechselnde LED Lichtintafel entwickelt, die ihr in dem Foto von mir sehen könnt.

 

Kathy: Du hast ja schon bei den unterschiedlichsten Designern Erfahrung gesammelt, unter anderem auch bei Yves Béhar/fuseproject in San Francisco und Konstantin Grcic in München. Bei wem würdest du sagen, hast du am meisten gelernt?

 

Jule: Bei Konstantin habe ich gelernt, Produkte über den Modellbau zu entwickeln, und sie somit im Verhältnis zum realen Leben zu sehen und zu testen. So arbeite ich auch heute noch. In Amerika wird viel am Computer entworfen (3D-Rendering), das finde ich nicht so aussagekräftig, dafür habe ich bei Yves Béhar viel über Produktkonzepte und Präsentationstechniken gelernt. 

 

Kathy: Was war bisher dein schwierigstes Projekt?

 

Jule: Eine Serie Messergriffe – denn die Gestaltung ist sehr von der Ergonomie bestimmt, und dennoch muss man sein ureigenes Design finden.

Kathy: Design oder Funktion: was gehört an erste Stelle und welches Element ist schwieriger?

 

Jule: Für mich ist es einfacher ein Produkt zu entwerfen, wenn ich mich an der Funktion orientiere und dann die passende Gestaltung kreiere. Ich arbeite gerne mit Rahmenbedingungen. Bei Küchenobjekten ist die Funktion im Fokus, denn es sind ja Nutzobjekte.

 

Kathy: Wie bist du denn auf die Zusammenarbeit mit Kikkerland gekommen?

 

Jule: Wir haben uns auf der Maison et Objet Messe in Paris kennengelernt. Ich habe Jan, dem Gründer, ursprünglich ein anderes Projekt vorgestellt, er fragte, ob ich noch anderes hätte, und als ich ihm den Prototypen von den Salad Tongs zeigte, war er begeistert. Wir arbeiten nun schon an den nächsten Produkten.

 

Kathy:Erzähl uns etwas über die Salad Tongs – woher stammt die Idee, wie lange hast du daran gearbeitet und was ist besonders an ihnen?

 

Jule: Die Idee ist mir durch das Experimentieren mit dem Material gekommen. Die Salad Tongs sind aus Bambus – ein sehr festes, stabiles, dennoch flexibles Material, das zusätzlich auch sehr ökologisch ist. Das Verbindungselement ist ein einfaches, jedoch genau auf Form und Material angepasstes Steckprinzip, dies ist nur mit einem so flexiblen Material wie Bambus möglich. Durch das Steckprinzip kann das Produkt auf zwei Weisen genutzt werden: Je nach Belieben als Salatbesteck oder als Salatzange. 

Kathy: „Es gibt ja schon alles“ - Kann man heutzutage noch neue Produkte entwickeln?

 

Jule: Stimmt, das meiste gibt es schon – also kommt es darauf an, Produkte neu zu interpretieren und an die veränderten Bedürfnisse und Alltagsverhältnisse anzupassen. Es sind die Details, die ein Produkt erfolgreich machen. Zudem bieten neue Materialien und erweiterte Produktionsverfahren dem Designer Freiraum für neue Entwicklungen. 

 

Kathy: Jule, wir danken dir für dieses Gespräch

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